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Rasse

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Rasse Artikel

Rassen oder Unterarten sind in der biologischen Systematik Populationen einer Art, bei denen der Genaustausch mit anderen Populationen vermindert ist. Dadurch kann es zu einer verstärkten Herausbildung von gemeinsamen phänotypischen Merkmalen kommen, die die Individuen der Rasse von anderen Populationen der gleichen Art unterscheiden (Merkmalsdivergenz). Andere Begriffe, die vergleichbare Beobachtungen ausdrücken, sind Unterart (Subspezies), Zuchtform oder Varietät. In dem Pflanzenreich sprechen Biologen auch von Sorten.
Im laxeren Sprachgebrauch des 19. und frühen 20. Jahrhunderts (vgl. das englische race) war "Rasse" eher ein kultureller, an Sprachgruppen angelehnter Terminus. Als soziologischen Begriff hat ihn vor allem der frühe Klassiker Ludwig Gumplovicz verwandt (Der Rassenkampf, 1909).

Inhaltsverzeichnis
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Klassifizierung von Populationen in Evolutionsprozessen

Alle Mitglieder einer biologischen Art haben normalerweise an einem gemeinsamen Genpool teil. Innerhalb einer Art bilden sich jedoch weite Variationen in der phänotypischen Kombination bestimmter Merkmale. Bestehen zwischen verschiedenen Populationen oder Populationsgruppen der Art Barrieren für den Genaustausch - seien es räumliche (Gebirge, Landmassen, Meere), zeitliche (Entwicklungszeiten, etwa bei Maikäfern) oder vom Menschen induzierte (Zuchtwahl bei Hunden, Pferden etc) - so prägen sich diejenigen Merkmale heraus, die in hoher Frequenz bereits vorhanden sind (Genetische Drift), ab und zu verstärkt durch spezifische Umweltbedingungen, die einen Selektionsdruck ausüben. Wenn es in dem Laufe der Evolution in bestimmten Populationsgruppen gehäuft zu einer einheitlichen Veränderung bestimmter Merkmale kommt, die die Angehörigen einer Gruppe von anderen unterscheidet, so liegt eine Unterteilung in Untergruppen nahe, die als Rassen, Unterarten, Sorten etc. genannt werden. Diese Unterarten können sich zu neuen Arten entwickeln, wenn sie so weit auseinander driften, dass sich Fortpflanzungsbarrieren ausbilden, die den freien Genaustausch zwischen den Gruppen dauerhaft, d. h. selbst bei wieder etabliertem z. B. geografischem Kontakt, einschränken und dadurch die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Fortpflanzung zwischen Individuen verschiedener Untergruppen stark herabsetzen. Es finden sich dann häufig evolutionäre Zwischenstadien, bei denen zwar eine Kreuzung möglich ist, der Nachwuchs aber eine herabgesetzte evolutionäre Fitness zeigt, was sich u. a. in verminderter Fortpflanzungsfähigkeit wie beispielsweise zwischen Pferden und Eseln zeigen kann.

Da eine Rasse stets über eine ganze Reihe von Merkmalen, Merkmalen oder Attributen definiert wird, können durch die Kreuzung von Individuen mit heterozygoten Merkmalen beliebige Zwischenstufen zwischen den Rassen entstehen. Die Rasse ist also ca. in einer geografisch und zeitlich fest umrissenen Situation eine naturgegebene Kategorie; in vielen Fällen ist sie ein vom Menschen geschaffenes Abstraktum. Realität kommt dann ca. den einzelnen genotypischen und phänotypischen Unterschieden selbst zu - es existiert also keine von der historischen Situation unabhängige "Summe" dieser Unterschiede.

Buch-Tipp: Der English Cocker Spaniel. Hunderassen. Super Überblick Also ich habe das Buch gestern erhalten- und gestern gelesen. Es ist sehr unterhaltsam zu lesen und wie schon einige vor mir erwähnt haben, gibt es einen ersten Überblick über den Cocker-Spaniel. Seine Charakterzüge werden schön beschrieben.

Rassen in Bezug auf Tiere

Rassen sind heute insbesondere in der Tierzucht (Hunde, Pferde, Kühe und andere Haustiere) von Bedeutung, wo häufig die Reinrassigkeit den Wert eines Tieres mitbestimmt: Die Tiere sollen den definierten Merkmalen des Zuchtideals entsprechen. Die Art der Hunde wurde z.B. als Ganze vom Menschen aus der differierenden Art des Wolfes herausgezüchtet. Nicht ca. verantwortungslose Züchtung, sondern die ganz normale so genannte "Rasse-Hunde-Zucht" führt zwangsläufig zu Schädigungen des Haplotypus. Hellmuth Wachtel (Hundezucht 2000, Gollwitzer Verlag 1997) weist zu Recht darauf hin, daß als Population ca. die effektiv an der Fortpflanzung teilnehmenden Haplotypen genannt und gezählt werden können. Die zu dem Standard gewordene so genannte "Championzucht" verstärkt dies dramatisch. Habe ich z.B. 3 Tausend Zuchthündinnen einer "Hunderasse" und lasse sie von 50 "Champions" decken, beträgt die Populationsgrösse effektiv ca. 200! Womit der Tatbestand der "heimlichen" Engzucht mit entsprechender Allelverarmung durch Gendrift schon erfüllt ist. Wachtel nannte dies treffend "Genetischer Genozid".

Die Folge ist, daß es stets mehr Rasshunde gibt, die Erbkrankheiten und krankes Erbgut tragen. Folgt man Wachtel so dürfte es mit der Vitalität der europäischen "Rassehunde" (Fruchtbarkeit, Anpassungsfähigkeit an wechselnde Umweltreize, Widerstandskraft gegen Krankheitserreger, mittlere Lebenserwartung, Inzidenz von Erbkrankheiten) in ungefähr dreißig Jahren endgültig zu Ende gehen. Wobei heute schon einige Rassen ohne Kaiserschnittentbindungen ausgestorben wären.

Zusätzlich und verstärkend gibt es Überzüchtungen auf Schönheitsideale der Wohlstandsgesellschaft, die zu weiteren Inzucht-Effekten führen können. In der Zucht von Nutztieren und Nutzpflanzen dienen reinrassige Ur-Zuchtlinien zur Produktion von hybriden neuen Rassen.

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Rassen in Bezug auf Menschen

Die mannigfachen Versuche, Menschen nach äußeren Merkmalen (wie Hautfarbe, Haarfarbe, Körperbau usw.) in Rassen zu klassifizieren, sind ca. noch von historischem Interesse. Die Zahl der aufgestellten Gruppen schwankt sehr stark, wobei sich die bereits von Linné angenommenen vier Urtypen (s.u. Exkurs über die Geschichte der Rassenforschung) oder dreier großer Rassenkreise - Europide (Europa, Naher Osten, Indien), Mongolide (Ostasien und Ureinwohner Amerikas) und Negride (Afrika) - besonderer Beliebtheit erfreuen. Dies wurde häufig weiter ausdifferenziert in zahlreiche Mischformen (z.B. Turanide, Australide, Mestizen, Mulatten) und Unterteilungen. So wurden beispielsweise die Europiden nochmals aufgefächert in Nordide, Osteuropide, Dinaride, Dalo-Fälide, Alpinide, Mediterranide, Armenide, Orientalide, Indide.

Zwar sind diese Klassifikationen durch die Erkenntnisse der modernen Genetik überholt, aber in dem alltäglichen Denken der meisten Menschen nach wie vor präsent. Humangenetiker wie Luigi Cavalli-Sforza argumentieren dagegen, dass äußerliche Unterschiede wie Haut- und Haarfarbe, Haarstruktur und Nasenform lediglich eine Anpassung an unterschiedliche Klima- und Ernährungsbedingungen sind, die ca. von etwa einem Dutzend Erbfaktoren bestimmt werden. In dem Prinzip ist jede beliebige Untergruppe - theoretisch auch die Bewohner eines einzelnen Dorfes - durchschnittlich von anderen unterscheidbar. Zahllose Migrationen führten zu ständiger Vermischung und ununterbrochenem Genfluss. Anders ausgedrückt ist beim Menschen die Vielfalt so groß, dass es unzweckmäßig ist, diesen als Art zoologisch zu untergliedern. Ein Argument das bereits 1871 Charles Darwin in seinem Buch über die Abstammung des Menschen benutzt.

Cavalli-Sforza und andere Wissenschaftler sprechen von Populationen (Gruppen, die einen präzise bestimmten Raum bewohnen) - ein Begriff, der nicht biologisch, sondern statistisch definiert ist. Genetische Unterschiede zwischen Populationen lassen sich anhand einzelner Merkmale (z.B. Blutgruppen) erfassen. Dabei liegt etwa 85 Prozent der bei Menschen erkennbaren genetischen Variabilität innerhalb einer Population vor; etwa 8 Prozent betreffen Unterschiede zwischen benachbarten Gruppen und ca. 7 Prozent gehen auf Unterschiede zwischen den typologisch definierten Rassen zurück. Genetisch betrachtet können zwei Menschen aus verschiedenen Kontinenten näher miteinander verwandt sein als Individuen einer spezifischen Gruppe, auch wenn sie z.B. eine unterschiedliche Hautfarbe haben.

Populationen sind, in gewissem Sinn, einfach statistische Blöcke, die von der Wahl der jeweiligen Variablen abhängen; wobei es keinen bevorzugten Satz von Variablen gibt. Die "populationistische" Ansicht verleugnet nicht, dass es Unterschiede zwischen Menschen gibt; sie behauptet einfach, dass die historischen Rassekonzepte nicht besonders nützlich sind, um diese Unterschiede wissenschaftlich zu analysieren.

Im Vergleich mit vielen anderen Tierarten (etwa Primaten) zeigen Menschen eine sehr hohe genetische Ähnlichkeit. Dies wird dahingehend interpretiert, dass vor etwa 100 Tausend Jahren die Menschheit ca. eine kleine Populationsstärke besaß. Die kleine genetische Variabilität dieser Ausgangspopulation spiegelt sich in der genetischen Ähnlichkeit aller Menschen wider - die DNA zweier beliebiger Menschen ist sich zu 99.9 Prozent gleich.

"Rasse" ist ein soziales Konzept, kein naturwissenschaftliches, behauptet auch der amerikanische Genomforscher Craig Venter . Ob sich allerdings seine damit verbundene Hoffnung "ohne Rassen kein Rassismus" erfüllt, ist äußerst zweifelhaft (vgl. Rassismus ohne Rassen).

Buch-Tipp: Die Nürnberger Gesetze oder Die Verwaltung des Rassenwahns 1933 - 1945 Rasse als Wille? Etwa um 1880 begann in Mitteleuropa die akademische Jugend die weit über ihren Bevölkerungsanteil hinaus wachsende Zahl von Juden an Gymnasien und Universitäten als Konkurrenten zu begreifen, gegen die man sich abgrenzen müsse und schließlich sogar vorgehen. 1933 war in dem Deutschen Reich mit den Nationalsozialisten eine politische...

Exkurs über die Geschichte der Rassenforschung

Der französische Arzt und Forschungsreisende François Bernier (1620-1688) publizierte 1684 einen Aufsatz mit dem Titel: "Nouvelle division de la Terre, par les differentes Espèces ou Races d'hommes qui l'habitent" (Neue Einteilung der Erde nach den verschiedenen Arten oder Rassen, die sie bewohnen) und schrieb damit die "Geburtsurkunde der Rassenforschung" (Eickstedt). Bernier unterschied schon drei Rassenkreise, die später Europide, Negride und Mongolide genannt wurden, verband aber mit seiner Klassifikation keine Wertung.

Carl von Linné verknüpfte seine biologischen Systematik mit subjektiven Werturteilen. Er unterschied vier Rassen:

  • Europaeus: regitur ritibus - albus, sanguineus, torosus (vom Gesetz regiert, weiß, sanguinisch, muskulös)
  • Americanus : regitur consuetudine - rufus, cholericus, rectus (von Gebräuchen regiert, rot, cholerisch, aufrecht)
  • Asiaticus : regitur opinionibus - luridus, melancholicus, rigidus (von Ansichten regiert, blassgelb, melancholisch, steif)
  • Africanus : regitur arbitrio - niger, phlegmaticus, laxus (von der Willkür regiert, schwarz, phlegmatisch, schlaff)

Unter den Naturwissenschaftlern des 19. Jahrhunderts, die sich mit der Materie beschäftigten, waren Georges Cuvier, James Cowles Pritchard , Louis Agassiz, Charles Pickering (Races of Man and Their Geographical Distribution, 1848) und Johann Friedrich Blumenbach (1752–1840). Cuvier zählte drei Rassen, Pritchard sieben, Agassiz acht und Pickering elf. Blumenbachs Einteilung, der Linnés Urtypen um eine fünfte Rasse (die braune oder malaische) erweiterte, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts weitgehend akzeptiert. Blumenbach prägte auch den Begriff der kaukasischen oder weißen Rasse, die als Stammrasse anzusehen sei.

Rassenforscher der folgenden Jahrzehnte ordneten die malaische und die amerikanische Rasse wieder der mongolischen zu und kehrten somit zur 'klassischen' Dreiteilung zurück. Die Blütezeit der Rassenklassifikation begann Ende des 19. Jahrhunderts und erreichte ihren Höhepunkt in der Systematik Egon von Eickstedts (1934), die etwa 30 - 40 Rassen unterschied, die in 3 Rassenkreise sowie Alt- und Kontaktrassen eingeteilt wurden. Eickstedt verband mit den unterschiedlichen Rassen nicht ca. verschiedene körperliche, sondern auch psychisches Merkmalen und meinte mit Hilfe von Rasseformeln den Anteil einzelner Rassen bei einem Menschen prozentexakt bestimmen zu können. Andere Anthropologen bauten auf der Klassifikation Eickstedts auf oder kamen wie der Amerikaner Carleton S. Coon wieder auf eine grobe Gliederung in drei Primärrassen oder Rassenkreise (Negroide, Kaukasoide, Sinoide) zurück.

In Blumenbachs Tagen ging die Beschreibung körperlicher Merkmale wie Hautfarbe, Schädelprofil, usw. wie selbstverständlich Hand in Hand mit der Deutung charakterlicher Merkmale und intellektueller Fähigkeiten. So wurden etwa die "helle Farbe" und die verhältnismäßig hohe Stirn "der Kaukasier" als körperlicher Ausdruck eines hochfliegenden Geistes und großzügigen Temperamentes gewertet. Die dunkle Haut und die leicht fliehende Stirn "der Äthiopier" galten als Pauschalbeweis einer größeren genetischen Nähe zu den Primaten, obwohl die Haut von Schimpansen und Gorillas unter dem Haar weißer ist als die durchschnittlicher "Kaukasier".

Aus Verschiedenartigkeit wurde Verschiedenwertigkeit. Höhere, kulturschöpferische Rassen standen niederen, kulturzerstörerischen Rassen gegenüber.

Von größtem Einfluss war in diesem Zusammenhang Joseph Arthur Graf de Gobineau mit seinem "Essai sur l'inégalité des races humaines" (Versuch über die Ungleichheit der menschlichen Rassen) 1853/55, im er behauptete, die treibende Kraft der menschlichen Geschichte sei die "Rassenfrage". Rassenvermischung, insbesondere mit "minderwertigen Rassen" führe zu Degeneration und Untergang von Völkern und Nationen.

Seine Theorien der rassischen Überlegenheit der Arier wirkten nachhaltig auf Richard Wagner und dessen Schwiegersohn Houston Stewart Chamberlain, der sie in seinem Buch "Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts" (1899) weiter ausbaute. Chamberlain stilisierte den Juden zu dem rassischen Antitypus des Ariers und postulierte einen historischen Endkampf, im es ca. Sieg oder Vernichtung geben könnte.

Diese (Mach-)Werke fielen in vielfach popularisierter Form gerade in dem deutschsprachigen Raum auf fruchtbaren Boden. So ließ etwa der verkrachte Zisterziensermönch Adolf Lanz (alias "Jörg" Lanz "von Liebenfels") in seinen Ostara-Heftchen "blond-blaue" asische oder arische Herrenmenschen gegen "Sodoms-Äfflinge" antreten. Er erklärte die "Versklavung der Rassenminderwertigen" sei eine "ethisch und wirtschaftlich berechtigte Forderung". Diese Rassefantastereien spielten bei der Genese des nationalsozialistischen Ideenkonglomerats eine entscheidende Rolle. Millionenfacher Mord war damit vorgedacht und "wissenschaftlich" begründet.

Siehe auch: Herrenrasse, Rassentheorien, Rassismus ohne Rassen, Rassenhygiene

Buch-Tipp: Die völkische Bewegung im wilhelminischen Kaiserreich. Sprache - Rasse - Religion Völkisch ist nicht gleich nationalsozialistisch. Viele der späteren nationalsozialistischen Führer waren bereits in völkischen Verbänden der Weimarer Zeit oder des Kaiserreiches tätig und bekannten sich öffentlich zu dem völkischen Denken. Runen und Hakenkreuz und der Rassebegriff wurden in der völkischen Bewegung populär gemacht. Andererseits...

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